Oberhaching im Hachinger Tal
Gut Laufzorn

Gut Laufzorn

Von der wittelbachischen Schwaige zum landwirtschaftlichen Gut

Laufzorn, seit 1 Mai 1978 Teil der Gemeinde Oberhaching (vorher: Gemeinde Grünwald), ist ein sehr alter Siedlungsplatz, der als "Laufzoro" um 800 erstmals urkundlich erwähnt wird. Der Name bedeutet wohl "gerodeter Sammelplatz für erlegtes Wild". Aus Adelsbesitz erwerben im Laufe des 15. Jahrhunderts die Wittelsbacher Laufzorn. Die ausgedehnten Wald- und Wiesenflächen werden als Schwaige vor allem für die Viehwirtschaft genutzt. Spätestens zu Beginn des 17. Jahrhunderts entsteht, in Anlehnung an das alte Schloß Schleißheim, ein Jagdschloß, dessen Grundformen noch heute erhalten sind. Laufzorn wird zu einem beliebten fürstlichen Landsitz mit ausgedehnter Landwirtschaft und einer Ziegelei. Die erste bildliche Darstellung mit einer aufschlußreichen Beschreibung fertigt um 1700 der Kupferstecher Michael Wening. 1760 gehen Schloß und Schwaige in Adelshand über. Die beeindruckende spätbarocke Gesamtkonzeption zeichnet 1762 Johann Nepomuk Pär. Freilich wird nicht alles in dieser Form verwirklicht worden sein. Um 1800 ist die Anlage nicht mehr besonders prachtvoll, 1803 wird die kleine Filialkirche abgerissen, im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wechseln häufig Besitzer und Nutzungsschwerpunkte (Landwirtschaft, Branntweinbrennerei, Bräuhaus, Ziegelei). Seit 1860 ist der Münchener Mediziner Prof. Dr. Heinrich Ritter von Ranke Eigentümer. Im Jahr 1877 läßt er ein Verbindungsgleis von der Station Deisenhofen nach Laufzorn verlegen. Diese 2984 m lange "Privat-Roll-Eisenbahn" wird von Pferden gezogen. Transportiert werden vor allem Kohle für die Ziegelei und Ziegel in Richtung Deisenhofen. In Laufzorn sind zeitweise über 100 Arbeiter, darunter zahlreiche italienische Saisonarbeiter beschäftigt. In den späten 20er und den 30er Jahren unseres Jahrhunderts geht die Laufzorner Ziegelproduktion (ab 1934 Eigentümer: Josef Witt, Weiden) stark zurück. 1942 werden die auf Stein verlegten Gleise abgebaut. Die Ziegelproduktion in Laufzorn wird nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen, aber 1974 endgültig eingestellt. Seit einem Eigentümerwechsel in den 80er Jahren (Kyrein) wird Laufzorn wieder vorwiegend landwirtschaftlich genutzt, umfangreiche Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten haben dem alten Schloß neuen Glanz verliehen.

Bild: Hans P. Kreitmeyer
Text: Informationstafel am Gut Laufzorn